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Rohwolle waschen

5/9/2023

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(ursprünglich bei Wordpress gepostet am 27.2.2023) 

Rohwolle sollte am besten im Jahr der Schur gewaschen werden. Ich habe Wolle auch schon mehrere Jahre aufgehoben, die Qualität ist noch immer schön, aber die Spitzen vergilben sehr stark. Das ist soweit ich weiß verharztes Lanolin, welches sich dann nicht mehr herauswaschen lässt.

So mache ich es:

Bei warmem, trockenen Wetter mit guten Wettervorhersagen für die nächsten Tage maximal 1/2 Vlies in einer Mörtelwanne einweichen, wenn vorhanden in Regenwasser, sonst in Leitungswasser mit einem kleinen Schuss Essig (etwas mehr als 50 ml sollten ausreichen, um das Berliner  Wasser in den neutralen bis schwach sauren Bereich zu bringen). Lange stehen lassen, dann die Wolle herausheben, gut abtropfen lassen. Dieses erste Waschwasser ist ein guter, gehaltvoller Dünger für den Garten.

Dieses Prozedere noch mindestens zweimal wiederholen, bis sich kaum mehr Dreck löst.

Nun haben wir bei Schafwolle immer noch das komplette Lanolin drin, brauchen also Waschmittel und/oder Hitze.

Kernseife und Soda leisten für Baumwolle, Leinen und andere pflanzliche Fasern sehr gute Dienste, Wolle und Seide würde ich damit jedoch nicht traktieren. Ein im sauren Milieu aktives Waschmittel erscheint mir die bessere Wahl.

Eine Zeitlang habe ich flüssige Arztseife verwendet. Viele der Produkte sind aber rückfettend, was hier natürlich kontraproduktiv ist. Vollständig biologisches abbaubares, parfümfreies Wollwaschmittel habe ich genau eins gefunden, und das ist relativ teuer. Eine weniger umweltschonende, dafür aber günstigere Alternative könnte evtl. hautneutrales, parfümfreies Spülmittel sein, wie es speziell für die Reinigung von Baby-Schnullern und -Fläschchen angeboten wird.

Der andere Faktor, der beim Entfetten hilft, ist Hitze. Nach meinem Eindruck ist Wolle kaum empfindlich gegen Hitze, sofern sie
  1. langsam erwärmt und wieder abgekühlt wird und
  2. so wenig wie möglich bewegt wird.

Zumindest bei Wolle vom Milch- und Pommernschaf funktioniert das absolut problemlos. Mit Merino-Wolle wäre ich vielleicht ein wenig vorsichtiger, aber die verarbeite ich gar nicht. Die Wolle wird also im großen Topf mit kaltem Regenwasser oder leicht gesäuertem Leitungswasser (s.o.) und Waschmittel aufgesetzt, mit einem sauberen Stein beschwert, zugedeckt auf kleinster Flamme bis knapp unter den Siedepunkt erhitzt und darf dann im Waschwasser auskühlen. Anschließend zweimal kalt ausspülen, zwischendurch gut abtropfen lassen.

Nun muss die Wolle noch getrocknet werden. Wichtig ist dabei, dass sie möglichst zügig und vollständig durchtrocknet. Nach dem letzten Spülen also wieder gut abtropfen lassen und sanft etwas ausdrücken, danach benutze ich ausgediente Frottee-Handtücher und Druck, um möglichst viel Feuchtigkeit zu entziehen, und breite die Wolle anschließend zum Lufttrocknen flächig aus, zupfe sie von Hand ein bisschen auf und decke sie mit einem Tuch oder Netz ab, damit nichts davongeweht wird.

Update 2025: Innerhalb der letzten zwei Jahre scheint sich auf dem Markt der ökologisch nachhaltigen Waschmittel einiges getan zu haben. Ich bin bei einem der Drogeriemarkt-Ketten auf ein Spülmittel gestoßen, das biologisch abbaubar ist, keine Enzyme enthält, sondern nur anionische, nicht-ionische und amphotere Tenside, und das gibt es sogar in der Zero-Linie ohne Duft- und Farbstoffe (letzteres leider nicht im Drogeriemarkt, da hätte ich die Wahl zwischen Zitrone & Aloe vera oder Granatapfel & Feige). Das ist mein neuer ganz heißer Favorit. So, jetzt habe ich keine Markennamen genannt, aber wer sich dafür interessiert, sollte den Hersteller mit wenig Recherche finden können.

Beim Waschen von Rohwolle gibt es eine riesige Bandbreite an Vorgehensweisen, und natürlich hält jeder seine Methode für die beste. Kathrin hat in ihrem Blog kürzlich ein paar verschiedene vorgestellt:

https://faserexperimente.de/wollwissen/wolle-waschen-aber-wie/
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